Artikel aus der Vereinszeitung "Klappe"
CD-Besprechung:
"Musik für Flöte allein" Johanna Rabe, Querflöte von Theo Kinder
Johanna Rabe hat eine neue CD mit Musik für Flöte allein aufgenommen. Die Aufnahme entstand im Zuge des Corona-Shutdowns bei ihr zu Hause: „Kein Autolärm, keine Tanzschule und kein Schützenverein nebenan“, so Johanna. Zudem war gemeinsames Musizieren nicht erlaubt!!
Kompositionen für Flöte allein waren durch alle Jahrhunderte ein beliebtes Mittel, auch um von einem potenziellen Partner unabhängig zu sein, quasi alleine „vollständige“ Musik machen zu können. In der Barockzeit wurde mit dieser Kompositionsweise auch gezeigt, dass ein Melodieinstrument sehr wohl (latente) Zweistimmigkeit, Harmonie- und Rhyth-muselemente in einem vereinen kann.
Auf der CD sind die bekannte a-moll Sonate für Flöte solo von C.P.E. Bach in ruhiger, unaufgeregter Interpretation, 4 Sät¬ze aus der Cello-Suite Nr. 3 von J.S. Bach (in Bearbeitung) und die 7. Fantasie für Violine solo von G.P. Telemann (eine Quarte höher gespielt, als das Original) - die Vertreter des Barocks.
Das 19. Jahrhundert wird von manchen als die Zeit angesehen, in der Musik für Blockflöte keine Bedeutung zukam. Ganz so war es nun nicht, denn es gab eine ganze Reihe von Kompositionen für instrumentale Varietäten der Blockflöte wie z.B. Flageolettes und Czakane - letztere auch als „Spazierstockflöte“ bekannt. Diesem Instrument hat Ernesto Köhler, uns allen wohl bekannt, einige Divertimenti (für Querflöte) gewidmet. Es sind schön erzählte Stimmungsbilder.
Im Zuge der Romantik wurden durch das „neue“ Instrument (Böhmflöte) auch die erweiterten fingertechnischen Fähig-keiten ausgenutzt. Und so entstanden sogenannten „Konzertetüden“ - große solistische Stücke mit „Lern- und Übe-effekt“. Drei dieser „Lektionen“, wie Köhler sie hier nennt, spielt Johanna Rabe mit technischer Sicherheit und be-wundernswerten Sprüngen. Genauso hörenswert sind die drei ausgesprochen interessanten Konzertetüden von Torchio und die „Etudes modernes pour Flute“ von Paul Jeanjean.
Neben den bekannten „8 Stücken für Flöte allein“ von Paul Hindemith (sehr gute Interpretation, bei der die große Bandbreite der Charaktere deutlich wird!) und den drei „Capricen“ von Anton Stamitz (mit einer eigenen gut über-leitenden Schluss-Kadenz im Amoroso) gibt es auch ein Klangerlebnis des Fernen Ostens. Die fünf chinesischen Stücke sind überlieferte Traditionsmusik mit jeweils unterschiedlicher Herkunft und entführen in das „Reich des Drachens“. Schön gespielte Melodien, mit vielen Vorschlägen, die dem Schlagen der Nachtigallen nachempfunden sind, vermitteln sehr gut das chinesische Flair.
Bei allen Stücken überzeugt Johanna Rabe mit sehr schönem, großen Ton und hervorragend treffsicheren großen Re-gister¬sprüngen und differenzierter Dynamik.
Eine empfehlenswerte CD – entstanden durch den Corona-Shutdown. mit (im besten Sinne) positivem Ergebnis.
Beziehen kann man die CD direkt über Johanna Rabe:
E-Mail: johannamusikrabe@aol.com, bzw. Tel: 040 - 738 64 68
für 8,- € + Versandkosten
"Ein Meisterwerk feiert seinen Geburtstag:
50 Jahre THICK AS A BRICK
Jethro Tull - nicht nur Flötentöne" von: Erich Kleppel (Auszug aus Klappe Heft 40)
Es ist sogar ein Doppeljubiläum, das Anlass zu den folgenden Betrachtungen gibt: Zum einen wird Ian Anderson, Kopf der inzwischen legendären Rockband JETHRO TULL, exakt in diesen Tagen (zum Zeitpunkt der Abfassung: im August) 75 Jahre alt. Zum anderen ist es 50 Jahre her, dass ihr „großer Wurf“ herauskam. Um ihn werden die folgenden Überlegungen kreisen, mit einem großen Radius.
Dabei sollte TAAB (thick as a brick) dem ursprünglichen Anspruch nach das ge-naue Gegenteil sein: ein 'spoof', eine Parodie auf die absoluten Meisterwerke, wie sie bis dahin von den absolut Großen der Popkultur vorgelegt worden waren – den Beatles, den Rolling Stones und den Beach Boys. Und, nicht zu vergessen, Pink Floyd.
Den Anfang machten natürlich die Beatles. „Sergeant Pepper's“ erfüllte alle hochgesteckten Erwartungen, keine Fra-ge. Ebenso keine Frage, dass die Rolling Stones, die damals jeden Schwenk der Fab Four kopierten, mit „Their Satanic Majesties Request“ durchfielen – bei Hörern wie Kritikern gleichermaßen, ob-wohl es auf der Scheibe durchaus hörens¬werte Momente gab.
Noch schlimmer erwischte es die Beach Boys, vor allem ihren Kopf Brian Wilson. Der Chef der 'amerikanischen Antwort auf die britische Herausforderung' feilte nämlich schon seit geraumer Zeit an der Platte des Jahrhunderts – und kam zu spät. Dass das Beatles-Highlight seinem Mega-Projekt „Smile“ zuvorkam, grub ihm das Wasser ab und stürzte ihn in eine persönliche Krise, in der er jahrzehntelang festsaß...
Ian Anderson tat also gut daran, sich im Vorfeld von allen diesen Bestrebungen, die Beatles zu toppen, zu distanzieren. Stattdessen wollte er seine Fans offenbar mehrfach auf dem linken Fuß erwischen. ...